Hörprobleme – ein Gedicht

von Heike Jung

Allmählich kommt man in die Jahre
und, wie ich momentan erfahre,
recht schnell ins Abseits „ohne Ohr“-
schuld war bei mir ein Hirntumor.
Er hinterließ mich rechts ertaubt,
hat mir das Raumgefühl geraubt!
Auch hab ich Lähmungen erlitten,
ein Hörnerv wurde abgeschnitten,
das Hörvermögen bleibt gemindert,
kurz: ich bin seitdem behindert.

Doch für alles gibt´s Prothesen,
die vorgaukeln, man sei genesen!
Flink zum Akustiker geeilt,
ob der mit Elektronik „heilt“!
Die schicksten, teuersten, die besten
Geräte gilt es, durchzutesten.
Bevor man sich für eins entscheidet –
das obendrein noch modisch kleidet –
sollte man nicht lang sich zieren,
sondern vieles ausprobieren.
Wie klingt Getröt per Megaphon,
wie Klatsch und Tratsch im Flüsterton?
Natürlich hört man immer das,
was man nicht hören soll – welch Spaß!
Und wirklich Wichtiges geht unter,
schwadroniert man ringsum munter…
Nebengeräusche, ja, die stören,
wie Baulärm und Gekreisch der Gören.
Sogar Gezirp brünstiger Grillen
erregt – einohrig – Widerwillen,
und selbst im Wäldchen oder Hain
kann Blätterrascheln nervig sein.
Deshalb hatte ich mir oft
von Technik Besserung erhofft!

Als Kind saß ich in Matsch und Schmutz
beim Deutschen Bund für Vogelschutz
und duckte mich ins Schilfgras nieder
auf der Lauer nach Gefieder.
Damals konnt am Ton ich orten,
das Teichhuhn hier, die Enten dorten.
Das Hören muss ich heut trainieren,
und darf mich nicht in Frust verlieren.
Denn eines ist mir sonnenklar –
es wird nie mehr, wie es mal war…
So dreh ich mich im Kreis herum
wie ein Kreisel mit Gebrumm,
um die Vögel zu erspähen,
die hörbar, jedoch nicht zu sehen.
Genauso geht es mir beim Shoppen,
wo meine Freunde mich gern foppen
und durch ihr „Hallo!“ provozieren.
Sie lassen – suchend – mich rotieren.

Abhilfe schafft ein Hörgerät,
so heißt es, und zwar nicht zu spät!
Das Hirn muss neu sich dran gewöhnen,
will es Musik und Reimen fröhnen
sowie im Raum sich orientieren.
Also, die Lauscher dekorieren!!

Das Teil klemmt hinterm Ohr – der Schlauch
führt tief hinein, man spürt ihn auch,
und klick, am Rändelrad gedreht,
bis man die Laute gut versteht.
Achtung, der Schirm von Silikon
flutscht gern heraus –er tut es schon…
Schnell wird er wieder reingestopft
und der Gehörgang zugepfropft.
Horch, wie im Neubau ist der Hall!
Er tönt ganz anders, dieser Schall!!
Dann unbekanntes Rattern, Knattern,
ein Summen, Brummen, Pfeifen, Schleifen,
und ab und zu dazwischen
Rückkopplungs-Zischen.

Herrjeh, das Testen braucht viel Zeit –
ich bin noch lange nicht so weit!!

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